Der Herbst kann kommen

Nach der Erlegung von zwei Rotschmalspießern Anfang August herrscht wieder Ruhe im Revier. Oft werden wir diesbezüglich gefragt, ob eine derartige Bejagung nicht die nachfolgende Rotwildbrunft schädigen würde. Bis dato haben wir die Erfahrung gemacht, dass dies nicht der Fall ist. Mehr noch: Mitte des Vormonats wurden Wildwiesen gemulcht, letzte Woche wurden noch sechs Wühläcker angelegt. Beides geschah mit gehörigem Tamtam, klappernden Autos und Treckern und somit im Rahmen höchst prominenter Auftritte. Weder Feisthirsche haben wir verloren, noch wechselte Kahlwild aus. 

Mulchen der Äsungsstreifen und Wildwiesen
Rotwild auf einem Wühlacker

Nun ist also seit ca. drei Wochen Ruhe eingekehrt, erste Hirsche ziehen zu, Kahlwild steht am Tage auf Wildwiesen und -äckern. Gute Stichwörter! Denn während ich diese Zeilen schreibe, ruft mich ein Redakteur eines deutschen Jagdmagazins an und fragt, ob ich in der Rubrik „Pro & Contra“ mitmachen würde. Das Thema: „Bejagung von Äsungsstreifen – ja oder nein?“ Nein!
Wir bejagen Äsungstreifen ausdrücklich nicht! Ich bin froh, tagaktives Rot-, Dam- und Schwarzwild zu haben und es ihnen zu ermöglich, ihrem Äsungsrhythmus nachzugehen. Die Bejagung von Äsungsflächen ist meines Erachtens zudem waldbaulich völlig kontraproduktiv.

Eine Rotte Sauen in der Nähe einer unlängst angelegten Wasserstelle.
Ach ja, wenn man wieder neue Batterien in die Wildkamera legt, kann es nicht schaden,
Datum und Uhrzeit neu einzustellen. :-)

Ein Schauflerchen beim Morgenspaziergang.

Es mag auch an diesem Verzicht liegen – und am Fehlen jedweder Jagd zur Nachtzeit – dass uns das Rotwild o. g. Kapriolen wie das Mulchen etc. großzügig nachsieht … 

Dank guter Verteilung von Wärme, Licht und Wasser sowie dem Mulchen sehen unsere Wildwiesen und -äcker prächtig aus. Die Suhlen sind hinreichend nass. Im Gegensatz zu anderen Jahren sind wir heuer ganz gut im Plan, der Herbst kann kommen! Nein, dass ist keine Angeberei, denn auch bei uns sorg(t)en Beruf, Familie und / oder Gesundheit immer wieder dafür, dass man eben nicht sein Revierpensum schafft und immer mal was liegenblieb. Ich glaube, uns allen geht es im ein oder anderen Jagdjahr mal so, oder? Die oben beschrieben Wühläcker wären ein Beispiel, dergestalt Zeit zu sparen (und weniger das Revier zu beunruhigen), dass nicht immer wieder zur Kirrungsrunde aufgebrochen werden muss.

Dennoch ist vieles reparabel, auch wenn man im Verzug ist. Umgekehrt – auch da spreche ich über eigene Fehler oder Unzulänglichkeiten – bringt es dann nichts, mit der Brechstange zu jagen. Feisthirsch-Bejagung ist ein schönes Beispiel dafür. Wer hier nun zu viel Druck macht und sich zu wenig Zeit nimmt, vergrämt, statt zu erlegen. Sicher, es gibt Reviere, da sind die Herren nur noch kurze Zeit zugegen, da sie später in die Brunftreviere abwandern. Oder die Jagdherrin / der Jagdherr hat eben nur wenige Tage Zeit, um zur Jagd zu gehen. Dennoch lässt sich vieles jagdlich nicht erzwingen, gut so!

Morgen schreiben wir den 1. September – und mein Warten auf den ersten Ruf eines Rothirsches beginnt ...